Tipps zur Anschaffung und Haltung

Die folgenden Tipps sind als erste Denkanstösse zu verstehen. Man sollte sich in jedem Fall ausführlicher durch Fachliteratur und z.B. in Schafhalter-Foren informieren.

Vor dem Kauf:

Habe ich genügend Zeit, mich um die Tiere zu kümmern?
  • Tägliche Versorgung (Heu, Wasser, Verhalten beobachten), regelmäßige Klauenpflege (mehrmals im Jahr), Schur (einmal jährlich), aber auch erhöhter Pflegeaufwand z.B. bei Krankheit.
Habe ich die Möglichkeit, die Tiere artgerecht zu halten?
  • Trockener Unterstand mit mindestens ca. 1,5 qm je Tier; höheren Platzbedarf während der Lämmersaison beachten!
  • Ca. 500 qm Weide für das erste, 200 qm für jedes weitere Tier, auch hier beachten, dass Lämmer schnell anfangen zu grasen. Je nach Nutzung (nur Weide oder zusätzlich Heugewinnung) und Wetterbedingungen während der Wachtumsperiode können diese Werte stark variieren!
    Schafe sind Herdentiere, eine Einzelhaltung ist nur in Ausnahmefällen angezeigt (Versorgung/Behandlung eines kranken Tieres)! Weniger als 4-5 Tiere sollten nicht gehalten werden!
  • Die Weide sollte in mehrere Parzellen unterteilbar sein, so dass die Schafe mehrmals im Jahr umgestellt werden können. Dies ist notwendig, damit sich die abgeweidete Fläche erholen kann und der Parasitendruck nicht zu hoch wird. Je nach Wetter sollte eine abgeweidete Fläche 3 bis 6 Wochen liegen, bis sie wieder beweidet werden kann.
  • Eine feste Umzäunung; 1 m Höhe ist i.d.R. ausbruchsicher, aber auch beachten, dass keine Tiere (z.B. Hunde) IN die Weide gelangen können; ein E-Netz ist ebenfalls möglich, muss aber immer unter Strom stehen und täglich kontrolliert werden. Für Schafe, die sich im Netz verfangen, sind die Stromstösse lebensgefährlich.
  • Es sollte immer die Möglichkeit bestehen, ein Tier schnell separat stellen zu können (z.B. bei Krankheit); auch dieses Tier muss wettergeschützt untergebracht sein.
  • Schafe schälen die Rinde besonders von jungen Bäumen und fressen auch Hecken ab. Bäume und Sträucher/Hecken müssen also gut geschützt werden. Die Tiere sind sehr kreativ und hartnäckig, um an das verbotene Grün zu gelangen!


Die Anschaffung:

Schafe können während des gesamten Jahres angeschafft oder in eine bestehende Herde integriert werden. Trotzdem sollte man ein paar Dinge beachten:
  • Mit jedem neuen Tier, das in eine Herde kommt, besteht ein Krankheitsrisiko für die anderen Tiere, daher sollte man nicht gleichzeitig Tiere aus mehreren fremden Herden zur gleichen Zeit zusammenbringen.
  • Für die neuen Tiere ist es leichter, wenn sie nicht allein in eine neue Herde kommen, sondern zu mehreren aus der alten in die neue Herde wechseln.
  • Will man selbst nicht züchten, ist eine reine Bockherde eine gute Alternative. Eine Bockherde bietet einige Vorteile:
    - Böcke sind leichter zu erwerben als Auen, die Auswahl ist größer
    - Böcke sind leiser als Auen, sie blöken kaum
    - Böcke sind durch das imposante Gehörn schön anzusehen (dies gilt natürlich nicht für kastrierte Tiere, deren Gehörn i.d.R. kaum noch wächst; in einer reinen Bockgruppe ist eine Kastration jedoch nicht nötig)
    - Böcke sind günstiger in der Anschaffung, i.d.R. kosten sie etwa halb so viel wie Auen

    Einen Nachteil haben (unkastrierte) Böcke gegenüber Auen allerdings: Sie eignen sich nicht als Streicheltiere. Wer mit seinen Schafen engen Kontakt möchte und aus der Hand füttern möchte, sollte dies nicht bei unkastrierten Böcken tun, da diese dann häufig anfangen, Menschen zu stoßen.

Ernährung:

Ouessants sind sehr genügsame Tiere, die auch mit kargeren Weiden zurechtkommen. Sie benötigen neben dem Gras auf der Weide eigentlich nur Heu, frisches Wasser (auch wenn einige Tiere so gut wie nie trinken, sollte IMMER frisches Wasser verfügbar sein!), einen Mineralleckstein (dieser muss unbedingt KUPFERFREI sein, sonst droht Vergiftungsgefahr!) und eine Schale mit Leckmasse, durch die sie weitere Mineralien, z.B. Selen, aufnehmen.
Dazu gebe ich in regelmäßigen Abständen frische Äste, z.B. Weide, Hainbuche, Walnuss, von denen sie sowohl das Laub als auch die Rinde sehr gern fressen.
Im Herbst fressen sie gern Fallobst und das herunterfallende Laub. Sehr selten bekommen sie auch getrocknetes Brot/Brötchen (auf Schimmel achten!).

Von giftigen Pflanzen sind die Schafe unbedingt fernzuhalten! Besonders Pflanzen, die in Westeuropa nicht heimisch sind, können eine Gefahr darstellen.
Auch frischer Grasschnitt darf nicht an die Tiere verfüttert werden. Mit dem Rasenmäher gemähtes Gras ist für Schafe unverträglich.

Grundsätzlich muss man beachten, dass man die Tiere immer langsam an neues Futter gewöhnt: Zuerst nur mehrfach kleine Mengen geben und dann die Menge langsam erhöhen. Der Pansen der Schafe muss sich auf neue Nahrung erst einstellen. Dies gilt für alles, was sie nicht regelmäßig fressen.


Fortpflanzung:

Ouessants sind saisonal brünftig, d.h. die Auen werden nur etwa zwischen September und Januar gedeckt (Ausnahmen sind jedoch möglich!). Die Lämmer kommen nach etwa 5 Monaten Tragzeit, also zwischen Februar und spätesten Juni zur Welt, die meisten im März/April. In der Regel bekommen Ouessants ein Lamm, Zwillingsgeburten sind eine absolute Ausnahme.
Die Geburt verläuft meist problemlos, man sollte die Tiere dabei völlig in Ruhe lassen, wenn es keinen medizinischen Grund gibt einzugreifen. Bei Erstgebärenden kann der Geburtsvorgang schon mal ein bisschen länger dauern, ab dem zweiten Mal vollzieht sich die Geburt in kurzer Zeit, häufig in deutlich weniger als 30 Minuten.
Die Mutter leckt das Lamm zunächst sauber und prägt es auf sich, indem sie ständig einen bestimmten Ruf ausstößt. Sie selbst erkennt ihr Lamm am Geruch. Das Lamm versucht sehr schnell zu säugen und springt auch schon nach einigen Stunden über die Weide.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Auen ihr Lamm in den ersten Tagen von den anderen Tieren - auch Lämmern - fernhalten, vermutlich, um die Prägung auf die Mutter zu festigen. Vor allem fremde Lämmer werden oft ruppig weggestoßen.
Mit sechs bis sieben Monaten werden die Lämmer geschlechtsreif. Ab diesem Alter können sie auch von der Mutter getrennt werden, obwohl sie noch längere Zeit immer wieder gerne säugen, wenn sie bei der Mutter bleiben.
Auch wenn viele Züchter die Auenlämmer in diesem Alter bereits decken lassen (die Abgabe der Tiere fällt mit dem Beginn der neuen Decksaison zusammen), halte ich es grundsätzlich so, dass ich sie erst eine Saison später decken lasse, also mit über eineinhalb Jahren. Wenn sie auch mit sieben Monaten geschlechtsreif sind, so sind sie doch definitiv noch nicht ausgewachsen!